Wildtier gefunden?

Wenn Sie ein Wildtier gefunden haben und nicht sicher sind, ob es hilfsbedürftig ist und an wen Sie sich wenden können, hilft Ihnen die neue App Wildtier SOS weiter. Hier werden Sie bei Wildtierfund Schritt für Schritt durch die Situation geführt und erhalten wichtige Informationen sowie eine Übersicht passender Anlaufstellen in Ihrer Nähe.

Jetzt kostenlos in allen App Stores oder unter www.wildtier-sos.de/download

Als Tierärztin bin ich gesetzlich an die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) gebunden. Manche Praxen haben eine „Wildtierkasse“ oder bezahlen die Versorgung von Wildtieren aus eigener Tasche. Da ich ausschließlich Wildtiere behandele, muss ich die Behandlung eines Tieres nach GOT abrechnen. Ich kann zudem keine Tiere abholen oder bei mir zu längeren Pflege aufnehmen. Da ich keine vollausgestatteten Praxisräume habe, sondern mobil tätig bin, muss eine Behandlung als „Hausbesuch“ erfolgen. Bitte klären Sie vorab, wer das Tier danach zur weiteren Versorgung aufnehmen kann. In der oben genannten App finden Sie passende Anlaufstellen.

Als Hilfestellung bei Wildtierfund soll das Akronym „HASE“ dabei helfen, sich richtig zu verhalten.

H = hilfsbedürftig?

A = Anlaufstelle?

S = Sichern!

E = Eigenverantwortung!

H = hilfsbedürftig?

Ein aufgefundenes Wildtier darf nur dann aus der Natur entnommen werden, wenn es verletzt, krank oder hilflos ist (BNatschG §45).

Das ist der Fall bei

  • offenen Wunden, Blutungen, Krusten
  • Madenbefall / Fliegeneiern
  • fehlenden / fehlgestellten Gliedmaßen
  • Schwellungen / Beulen
  • Kollisionen mit Auto / Fensterscheibe
  • einem Angriff durch Katze / Hund etc.
  • Festhängen in Fallen / Zäunen
  • Unterkühlung / Zittern
  • Torkeln / Krampfen / Im-Kreis-Drehen
  • Husten / Röcheln / Maulatmung
  • Ausfluss aus Maul / Nase / Durchfall
  • Apathie / Reflexlosigkeit
  • Abmagerung / aufgeplustertem Gefieder
  • einem nackten Jungtier außerhalb des Nests
  • einem einsamen Nestflüchter (Ente, Gans)
  • einem Mauersegler am Boden
  • einem Winterschläfer (Igel) im tiefsten Winter

Meistens NICHT hilfsbedürftig sind

  • Ästlinge: Befiederte, aber noch nicht flugfähige Jungvögel. Sie werden in Nestnähe von den Eltern gefüttert, bis sie fliegen können.
  • Feldhasenjungtiere: Sie werden einzeln in Erdmulden abgesetzt. Die Mutter kommt nur einmal am Tag zum Säugen vorbei.

Bei Unsicherheiten zunächst Fachleute kontaktieren, bevor das Wildtier aufgenommen wird. Lass das Tier bis zur Klärung bitte nicht aus den Augen.

A = Anlaufstelle?

Nach Feststellung der Hilfsbedürftigkeit des Tieres kontaktiere bitte eine fachkundige Anlaufstelle, ob das Tier dort aufgenommen werden kann. Je nach Tierart und aktuellen Kapazitäten kann es sein, dass Tiere abgelehnt werden und weitere Stellen kontaktiert werden müssen. Ein Wildtier ohne Fachkenntnisse selbst zu versorgen, ist nach Tierschutzgesetz verboten. Mögliche Anlaufstellen sind:

  • Wildtierauffangstationen
  • Geschulte / anerkannte Wildtierpflegestellen
  • Wildtierkundige Tierarztpraxen / -kliniken
  • Untere Naturschutzbehörde des Landkreises
  • Jagdausübungsberechtigte/r (JAB) bei jagdbaren Arten
  • Ggf. Veterinäramt des Landkreises
  • Ggf. Wildtierbeauftragte / Naturschutzverbände des Landkreises

Bei einem Wildunfall ist die örtliche Polizei hinzuzuziehen.

S = Sichern!

Beim Sichern (Einfangen) des Tieres sollten folgende Punkte beachtet werden:

Eigenschutz: Manche Erkrankungen sind für Menschen ansteckend. Besondere Vorsicht bei Vögeln mit neurologischen Symptomen ohne Kollision (Vogelgrippe). Fledermäuse niemals ohne Handschuhe berühren (Fledermaustollwut). Tote Wildtiere möglichst nicht anfassen. Hat das Tier Stacheln / Krallen / spitze Zähne wie z.B. Igel, Greifvögel, Raubtiere, Nagetiere, dann benutze bitte eine Decke / ein Handtuch oder dicke Handschuhe zum Sichern. Bei Tieren in gefährlichen Situationen Polizei / Feuerwehr / Tierrettung rufen.

Schutz des Tieres: Jungtiere werden auch von der Mutter wieder angenommen, wenn sie vom Menschen berührt wurden; bei Rehkitzen sind dennoch Handschuhe zu tragen. Zum Einfangen reicht es oft, dem Tier eine Decke / Jacke überzuwerfen und es zu greifen, sobald seine Sicht verdeckt ist.

Jagdbare Arten: Je nach Bundesland (Landesjagdgesetze) unterschiedliche Tierarten – meist Wildschwein, Reh, Fuchs, Feldhase – dürfen bei eindeutiger Hilfsbedürftigkeit von Laien zu einer Anlaufstelle transportiert werden, dennoch muss der/die JAB zuerst kontaktiert werden (erreichbar über Polizei).

Transport: Tiere in einen zur Größe passenden Karton mit Handtüchern umsetzen. Abdunklung verhindert Stress. Bei agilen Tieren Karton zukleben, zuvor Luftlöcher von innen nach außen stechen. So kurz und stressfrei wie möglich transportieren.

E = Eigenverantwortung!

Du bist rechtlich und finanziell für das Tier verantwortlich, das du aus der Natur entnommen hast. Wildtiere dürfen nur bei Hilfsbedürftigkeit aufgenommen und nur von fachkundigen Personen versorgt werden. Sie müssen sofort freigelassen werden, sobald sie wieder gesund sind. Eine Dauerhaltung nicht mehr wildbahntauglicher Wildtiere ist nach dem Gesetz verboten.Falsche Unterbringung und Fütterung sowie falscher Umgang mit dem Wildtier können die Chancen auf Wiederauswilderung zunichtemachen. Eine Selbstversorgung durch Laien endet somit oft tödlich für das Wildtier und ist gesetzeswidrig.

Erste-Hilfe-Maßnahmen können jedoch lebensrettend sein:

  • Fliegeneier /-maden schnellstmöglich mit Pinzette / Flohkamm / Zahnbürste entfernen
  • Wärmequelle bei Unterkühlung / Jungtieren
  • Blutungen mit Kompressen abdrücken
  • Bissverletzungen innerhalb von 6 Stunden tierärztlich behandeln lassen

Bitte niemals:

  • Wasser ins Maul / in den Schnabel eingeben
  • Unnötig langer Körperkontakt zum Tier

Durch die Übergabe des Wildtieres an eine Anlaufstelle endet auch deine Verantwortung für das Tier. Oder? Auffangstationen und Tierarztpraxen haben durch die Versorgung „deines“ Wildtieres nicht unerhebliche Kosten. Durch eine finanzielle Spende / Übernahme der Behandlungskosten übernimmst du Verantwortung für „dein“ Tier. Gut gemacht!

Sie möchten diese Anleitung als Flyer zur Auslage? Schreiben Sie mir gerne über das Kontaktformular mit der gewünschten Anzahl und Ihrer Adresse